Ex-Freiburger Nils Petersen gibt einen Ausblick auf die Bundesliga-Saison
„Haben genug gute Fußballer“
Nur eine Niederlage musste der FC Bayern in der vergangenen Saison einstecken. Die Meisterschaft ist für die Münchener jedes Jahr Pflicht. Auch in die neue Saison geht das Team von Trainer Vincent Kompany (40) als haushoher Favorit. Spannender wird wahrscheinlich die Frage, wer hinter dem FCB die Plätze fürs internationale Geschäft belegt.
Seit seinem Wechsel 2023 von Tottenham Hotspur zu den Bayern wurde Harry Kane (33) jede Saison Torschützenkönig und erzielte dabei 98 Treffer. Gegen keinen Gegner traf der Engländer in der 1. Bundesliga öfter als gegen den VfB Stuttgart. Zehn Liga-Tore glückten Harry Kane bereits gegen die Schwaben, die bei der Saisoneröffnung am Freitag, 28. August, an der Isar gastieren.
Für Nils Petersen, der lange beim von Lotto Baden-Württemberg unterstützten SC Freiburg unter Vertrag stand und mit 34 Toren nach Einwechslungen der Rekord-Joker der 1. Bundesliga ist, wäre ein Doppelpack von Harry Kane zum Auftakt und damit der 100. Treffer des Angreifers keine Überraschung: „Wenn ich einem Stürmer in der Bundesliga zwei Tore in einem Spiel zutraue, dann ihm.“
Der 37-Jährige hält sich nach dem Ende seiner Profi-Karriere beim Schwarzwälder Kreisligisten SF Oberried II fit: „Ich bin weiterhin gewillt, so gut es geht am Ball zu bleiben – im wahrsten Sinne des Wortes.“ Die Bayern sind auch sein Top-Favorit auf den Meistertitel: „Dieses Tempo kann keine andere Mannschaft dieser Liga auf Strecke mitgehen. Zumindest wäre das eine faustdicke Überraschung.“
Hinter den Bayern, deren Trikot er in der Saison 2011/12 trug, räumt Nils Petersen den baden-
württembergischen Klubs gute Chancen auf die Qualifikation für das internationale Geschäft ein: „Dortmund und Stuttgart sehe ich weit vorne. Leverkusen und Leipzig müssen sich erst mit ihren neuen Trainern beweisen, können es aber auch schaffen. Frankfurt, Freiburg und Hoffenheim werden sich um die Plätze dahinter bemühen.“
Starker Südwesten
Hat der VfB also einen Vorsprung vor den Freiburgern, die zu Hause gegen Bremen starten und den in Köln beginnenden Hoffenheimern? „Stuttgart ist aus meiner Sicht von den Teams aus Baden-Württemberg am besten aufgestellt und liegt einen Hauch vor Freiburg, auch was die Qualität des Kaders angeht“, bestätigt Nils Petersen, „Trainer Sebastian Hoeneß ist ligaweit am längsten im Amt. Das macht sich bezahlt.“
Das Herz des Vollblut-Stürmers, der in 295 Bundesliga-
Spielen 89 Treffer für Cottbus, München, Bremen und Freiburg erzielte, schlägt natürlich vor allem für die Breisgauer, für die er von 2015 bis 2023 die Fußballschuhe schnürte: „Der SCF wurde von Jahr zu Jahr immer stabiler. Ob er eine noch bessere Platzierung erreichen kann, wage ich Stand heute zu bezweifeln, auch wenn ich mich natürlich sehr freuen würde.“ Dass die Südbadener immer wieder für Überraschungen sorgen, liegt für Nils Petersen auch an den Werten des Vereins: „Die Konstanz in allen Bereichen auf Entscheidungsebene und die nachgewiesene Fähigkeit, namhafte Abgänge gut zu kompensieren, niemanden wichtiger zu machen als das große Ganze und diese Demut auf allen Ebenen sind seit jeher die Erfolgsgaranten beim SC – von der Kabine bis in die Geschäftsstelle. Es wird auch bei Erfolgen nie nachgelassen.“
Beim Finale der Europa League in Istanbul war Nils Petersen als Freiburg-Fan dabei. „Ich will ehrlich sein und weiß nicht, ob der SC so etwas in den nächsten Jahren noch einmal schafft. Dieses Logo in einem Finale im Stadion als Fahne hängen zu sehen, hat mich echt mit Stolz erfüllt.“
Die Top-Transfers der Liga
Vor der Saison musste Freiburg erneut Leistungsträger abgeben. Unter anderem wechselte der offensive Mittelfeldspieler Johan Manzambi (20) für 60 Millionen Euro in die englische Premier League zu Aston Villa. Auch andere Klubs ließen Stars für viel Geld ins Ausland ziehen. RB Leipzig kassierte für den 19-jährigen Ivorer Yan Diomande 125 Millionen Euro Ablöse von Real Madrid, 22 Millionen Euro blätterte der FC Barcelona für den Dortmunder Karim Adeyemi (24) auf den Tisch.
Nils Petersen hätte gerne auch andere Spieler noch weiter in der Bundesliga gesehen: „Leon Goretzka, Julian Brandt oder Niklas Süle waren die letzten Jahre Eckpfeiler und Gesichter der Bundesliga. Sie werden mir fehlen.“ Der Vertrag von Leon Goretzka (31) beim FC Bayern ist ausgelaufen, ein neuer Arbeitgeber noch nicht gefunden. Der ehemalige Dortmunder Julian Brandt (30) wechselte in die Niederlande zu Ajax Amsterdam und sein bisheriger Vereinskamerad Niklas Süle (30) will nach dem Ende seiner Profikarriere beim SV 1946 Tiefenbach in der Kreisliga Sinsheim spielen.
Die größten Ausgaben tätigten standesgemäß die Bayern, die für eine Ablöse von je 50 Millionen Euro Nathaniel Brown (23) von Eintracht Frankfurt und Ismael Saibari (25) vom PSV Eindhoven holten. Die anderen Vereine waren bisher sparsamer, doch das Transferfenster ist bis Dienstag, 1. September, geöffnet.
Aufsteiger gefährdet
In der Bundesliga wird 2026/27 eine Drei-Klassen-Gesellschaft erwartet. Im oberen Tabellendrittel kämpfen München, Dortmund, Stuttgart, Leipzig, Leverkusen, Frankfurt, Freiburg und Hoffenheim um die sechs internationalen Plätze. Dahinter sollten Augsburg, Union Berlin, Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach frühzeitig ausreichend Punkte für den Klassenerhalt sammeln können. Der Hamburger SV, der 1. FC Köln und Werder Bremen, die zuletzt die Ränge 13 bis 15 belegten, werden erneut in dieser Tabellenregion vermutet. Zu den Abstiegskandidaten zählen die drei Aufsteiger. Die besten Chancen auf den Klassenerhalt werden dem FC Schalke 04 eingeräumt. Für den SC Paderborn, der bei seinen Gastspielen in der 1. Bundesliga 2014/15 und 2019/20 jeweils als Schlusslicht wieder direkt abstieg, und die SV 07 Elversberg wäre der Klassenerhalt eine Sensation. Die Saarländer sind der einzige echte Neuling im deutschen Fußball-Oberhaus und schreiben Vereinsgeschichte.
Persönlichkeiten gesucht
Dass sich der schwache Auftritt der Nationalelf bei der WM 2026 auf die Attraktivität der Bundesliga auswirkt, glaubt Nils Petersen nicht. Änderungen erhofft sich der Edel-Joker schon: „Wir müssen wieder ekliger, galliger, besessener werden. Und Persönlichkeiten mit Format herausbilden, die Verantwortung übernehmen, an denen sich junge Spieler hochziehen und orientieren können. Gute Fußballer haben wir genug!“
Paul Herbinger freut sich auf den Bundesliga-Start
Nils
Petersen bleibt als Experte und Stürmer weiterhin am Ball.
Harry Kane freut sich auf den VfB Stuttgart. Gegen kein anderes Team traf er in der
Bundesliga öfter.
Fachleute sehen den VfB Stuttgart mit dem 30-jährigen Torjäger Deniz Undav (2. v. li.) als Anwärter auf die Vizemeisterschaft.
Wollen mit dem FC Schalke 04 den Klassenerhalt schaffen (v. li.): Kenan Kahraman (32), Edin Džeko (40) und Timo Becker (29).
Auf eine erneut starke Saison mit dem SC Freiburg hofft Offensivspieler Derry Scherhant (23, re.).